Skip to main content

Familiengerichtliche Maßnahmen

Allgemeines

Gemäß § 1666 BGB hat das Familiengericht bei Gefährdung des Kindeswohls Maßnahmen zu treffen, die zur Abwendung der Gefahr erforderlich sind. Zu den gerichtlichen Maßnahmen gehören insbesondere Gebote und Verbote (§ 1666 Absatz 3 Satz 1-4), die Ersetzung von Erklärungen des Inhabers der elterlichen Sorge (§ 1666 Absatz 3 Satz 5) sowie die teilweise oder vollständige Entziehung der elterlichen  Sorge.

Seit 2012 wird seitens des Statistischen Bundesamtes auf der Grundlage von Änderungen in der Statistik durch das Bundeskinderschutzgesetz bei der Teilerhebung zu den gerichtlichen Maßnahmen zum Entzug der elterlichen Sorge zusätzlich auch das Alter der betroffenen Kinder und Jugendlichen erfasst. 

Ergebnisse

Im Jahr 2017 wurden Eltern bzw. Personensorgeberechtigten in Deutschland in 16.486 Fällen das Sorgerecht entweder ganz oder teilweise entzogen. In 6.209 dieser familiengerichtlichen Verfahren, die mit einem vollständigen oder teilweisen Sorgerechtsentzug endeten, waren die betroffenen Kinder unter 6 Jahre alt (vgl. Tab.1). Dies entspricht 48% aller Verfahren und bezogen auf die Gruppe der Gleichaltrigen in Deutschland 2017 einer Quote von 13,6 Sorgerechtsentzügen pro 10.000 unter 6-Jährige.

In den letzten vier Erhebungsjahren seit Einführung des Alters der Kinder als zusätzliches Erhebungsmerkmal sind die Sorgerechtsentzüge zu unter 6-jährigen Kindern sowohl absolut als auch relativ leicht zurückgegangen (vgl. Tabelle 2). 

Tab. 1: Maßnahmen des Familiengerichts für Kinder unter 6 Jahren auf Grund einer Gefährdung des Kindeswohls (Deutschland; 2017, Angaben absolut)

Eingeleitete Maßnahmen des Familiengerichts Kinder und Jugendliche im Berichtsjahr
Insgesamt 12.875
davon
Auferlegung der Inanspruchnahme von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe 3.947
Aussprache von anderen Geboten oder Verboten 1.847
Ersetzung von Erklärungen des/der Personensorgeberechtigten 872
Vollständige Übertragung der elterlichen Sorge auf das Jugendamt oder einen Dritten als Vormund oder Pfleger 2.756
Teilweise Übertragung der elterlichen Sorge auf das Jugendamt oder einen Dritten als Vormund oder Pfleger 3.453
darunter
nur des Personensorgerechts 2.505
darunter
nur des Aufenthaltsbestimmungsrechts (als Teil des Personensorgerechts) 1.190
Quelle: Statistisches Bundesamt (2019): Statistiken der Kinder- und Jugendhilfen: Pflegschaften, Vormundschaften, Beistandschaften, Pflegeerlaubnis, Sorgerechtsentzug, Sorgeerklärungen.

Tab. 2: Entwicklung der Sorgerechtsentzüge für unter 6-Jährige seit 2012 (Deutschland; 2012-2017; absolut und pro 10.000 der altersgleichen Bevölkerung)

Teilweiser oder vollständiger Sorgerechtsentzug u6 2012 2013 2014 2015 2016 2017
- absolut 6.013 6.224 6.360 5.849 5.927 6.209
- pro 10.000 der unter 6-jährigen Bevölkerung 14,6 16,1 15,4 13,5 13,3 13,6
Anteil u6 an allen Sorgerechtsentzügen (in %) 42 41 37 38 35 37,7
Quelle: Statistisches Bundesamt (2019): Statistiken der Kinder- und Jugendhilfen: Pflegschaften, Vormundschaften, Beistandschaften, Pflegeerlaubnis, Sorgerechtsentzug, Sorgeerklärungen.

Literatur

  • Pothmann, J. (2015): Maßnahmen der Familiengerichte bei Gefährdungen des Kindeswohls - eine bunte Landschaft. In: KomDat 1/15, S. 8-10.