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Armut

Definition

In Deutschland wird den meisten Armutsstudien das Konzept der relativen Einkommensarmut zugrunde gelegt. Hierunter wird das Absinken der verfügbaren finanziellen Ressourcen eines Menschen/eines Haushalts unter ein durchschnittliches Maß  verstanden. Armut wird damit in Relation zu einem durchschnittlichen Lebensstandard definiert. Als arm gelten nach dieser Definition Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Werts des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens beträgt.

Als Indikator für Kinderarmut hat sich in der deutschen Sozialberichterstattung hingegen die SGB-II-Quote der unter 15-Jährigen etabliert (vgl. z.B. www.sozialberichte.nrw.de). 

Systematik der SGB-II-Leistungen

Die im SGB-II geregelte „Grundsicherung für Arbeitssuchende“ ersetzt die frühere Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe für Erwerbsfähige. Nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte unter 15 Jahren (NEF), die in einer Bedarfsgemeinschaft mit ALG-II-Empfängern leben, erhalten Sozialgeld als Regelleistung. Die Gruppe der nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten umfasst aber neben den Regelleistungsberechtigten auch sog. sonstige Leistungsberechtigte (NESLB), die zwar keinen Anspruch auf Regelleistungen haben, jedoch einmalige Leistungen in besonderen Lebenssituationen erhalten (z.B. nach dem Bildungs- und Teilhabepaket).

Neben den nicht-erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (NEF) werden auch Kinder ohne eigenen Leistungsanspruch (KOL) seit der Datenrevision der Grundsicherungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2016 regelmäßig erfasst. Hierunter fallen Kinder, die zwar in Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB II aufwachsen, jedoch aufgrund von z.B. Unterhaltszahlungen keinen eigenen Leistungsanspruch haben.

Nachfolgend wird davon ausgegangen, dass alle drei genannten Gruppen (nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte mit Regelleistungen, mit einmaligen Leistungen sowie Kinder in Bedarfsgemeinschaften ohne eigenen Leistungsanspruch) von Armutslagen betroffen sind.

Die ausgewiesene SGB-II-Quote umfasst deshalb alle drei Subgruppen in Addition und bezeichnet demnach den prozentualen Anteil der Summe der nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, der sonstigen Leistungsberechtigten und der Kinder ohne eigenen Leistungsanspruch an der Bevölkerung des entsprechenden Alters.

SGB-II-Quote

(NEF+NESLB+KOL)*100/Bevölkerung des entsprechenden Alters

Ergebnisse

Am 31.12. 2017 lebten insgesamt rund 11,2 Millionen Mädchen und Jungen unter 15 Jahren in Deutschland. Die durchschnittliche Zahl der nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten unter 15 Jahren betrug im Jahr 2017 insgesamt 1.641.802. Hinzu kamen im selben Erhebungszeitraum durchschnittlich 32.578 nicht erwerbsfähige sonstige Leistungsberechtigte und  78.134 Kinder ohne eigenen Leistungsanspruch. Die SGB-II-Quote für alle drei Subgruppen betrug bei den unter 15-Jährigen demnach insgesamt 15,7%. 

Mit Blick auf die in den Frühen Hilfen relevanten Altersjahrgänge bietet die Statistik der Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem SGB II eine Standardauswertung für die unter 3-jährigen Kinder an. Im Jahresdurchschnitt 2017 bezogen insgesamt 382.264 Kinder unter 3 Jahren Leistungen der Grundsicherung (NEF, NESLB, KOL). Dies entspricht bei insgesamt 2.351.851 Kindern unter 3 Jahren einer SGB-II-Quote von 16,3% (Tab. 1). Der Anteil junger Kinder, die Grundsicherung beziehen ist damit innerhalb eines Jahres um 0,8 Prozentpunkte gestiegen.

Tab. 1: SGB-II-Bezug bei Kindern unter 3 Jahren (Deutschland; 2015 - 2017; Angaben absolut und in Prozent)

  2015 2016 2017
Summe (NEF, KOL, NESLB) 348.962 356.802 382.264
Unter 3-Jährige in Deutschland am 31.12. 2.200.386 2.304.035 2.351.851
SGB-II-Quote in % 15,9 15,5 16,3
Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem SGB II. Nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte (NEF), nicht erwerbsfähige sonstige Leistungsberechtigte (NESLB) und Kinder ohne individuellen Leistungsanspruch (KOL). verschiedene Jahrgänge; Datenzusammenstellung und Berechnungen des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund.

Abb. 1: SGB-II-Quote u3 in % im Ländervergleich 2017

Bundesagentur für Arbeit (2019): Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II.