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Hilfen zur Erziehung

Allgemein

Eltern haben das Recht auf eine Hilfe zur Erziehung (HzE), "wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist" (§ 27 Abs. 1 SGB VIII). Hilfen zur Erziehung (§§ 28-35 ff. SGB VIII) richten sich nach dem erzieherischen Bedarf im Einzelfall und werden den Familien oft auch dann angeboten, wenn es bereits zu einer Kindeswohlgefährdung gekommen ist. 

Frühe Hilfen werden in der Regel unterhalb dieser Schwelle tätig. Bei komplexen Problemlagen oder für die Abklärung einer möglichen Gefährdung des Kindes haben sich in der Praxis verschiedene Kooperationsmodelle von Frühen Hilfen und HzE etabliert (z.B. Arbeit in der Familie im Tandem mit einer Sozialpädagogischen Familienhilfe). 

Zum Teil wird eine aufsuchende Betreuung und Begleitung von Familien im Rahmen der Frühen Hilfen vor Ort auch über Hilfen zur Erziehung (z.B. nach § 27.2 SGB VIII) geleistet.

Ergebnisse

2017 erhielten erneut mehr als eine Millionen (1,1 Millionen) junger Menschen und ihre Familien Hilfen zur Erziehung. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Hilfeempfänger erneut um + 3%  angestiegen. Seit Beginn der 1990er Jahre zeigt sich für alle Formen der Hilfen zur Erziehung eine deutliche Zunahme; allein zwischen 2008 und 2015 lag diese für die über den ASD organisierten Hilfen (ohne Erziehungsberatung) bei 35% (siehe zur Gesamtentwicklung auch  http://www.hzemonitor.akjstat.tu-dortmund.de ).

Erziehungsberatung

Leistungen der Erziehungsberatung machen rund 41% aller Hilfen zur Erziehung aus. Die Beratung von Kindern, Jugendlichen und Eltern bei individuellen oder familienbezogenen Problemen wird überwiegend von Erziehungs- und  Familienberatungsstellen erbracht. Erziehungsberatung kann von Ratsuchenden direkt in Anspruch genommen werden und ist für den Hilfesuchenden kostenfrei.

2017 lag die Fallzahl bei den Erziehungsberatungen bei 425.010 (Bestand am 31.12.2017 und in 2017 beendete Hilfen). In 36.231 Fällen bezog sich die Beratung dabei auf ein Kind unter 3 Jahren.

Ambulante und teilstationäre Hilfen zur Erziehung

Zu den familienergänzenden bzw. familienunterstützenden Hilfen zählen familienorientierte Hilfen (wie z.B.  Sozialpädagogische Familienhilfe) ebenso wie am jungen Menschen orientierte Hilfsangebote (wie z.B. Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung).

2017 lag die Zahl der durch ambulante und teilstationäre Hilfen zur Erziehung insgesamt betreuten jungen Menschen bei 345.384 (am 31.12.2016 bestehende und in diesem Jahr beendete Hilfen). In 10% der Fälle (37.690) handelte es sich dabei um Kinder unter 3 Jahren.

Stationäre Hilfen zur Erziehung

In einigen Fällen reichen familienunterstützende bzw. –ergänzende Hilfen nicht aus, um eine dem Wohl des Kindes/Jugendlichen entsprechende Erziehung zu gewährleisten. In diesen Fällen kann eine Erziehung außerhalb des Elternhauses erforderlich sein. Grundsätzlich ist dabei zu unterscheiden zwischen der Unterbringung des Minderjährigen in einer Einrichtung und der Unterbringung in einer Pflegefamilie.

2017 lag die Zahl der in stationären Einrichtungen betreuten Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren bei 99.952 (am 31.12.2016 bestehende und in diesem Jahr beendete Hilfen). In Pflegefamilien wurden im selben Zeitraum 81.412 Minderjährige betreut. In 10.263 Fällen von Fremdunterbringungen (1.925 stationäre HzE und 8.338 Vollzeitpflegen) handelte es sich dabei um Kinder unter 3 Jahren.

Hilfen zur Erziehung aufgrund einer Kindeswohlgefährdung

Der Anteil begonnener Hilfen zur Erziehung aufgrund einer Gefährdungseinschätzung lag insgesamt – unabhängig vom individuellen Ausgang der Verfahren – mit 4,6% im Jahr 2017 ungefähr auf dem Vorjahresniveau. Bei den familienorientierten ambulanten Hilfen betrug dieser Anteil rund 14%,  bei Fremdunterbringungen in einer Pflegefamilie lag er 2017 bei rund 19%, bezogen auf Unterbringungen in Heimerziehung bei 11%. (vgl. StaBu 2018; Berechnungen der AKJStat).

Mit Blick auf die erzieherischen Hilfen, die nach Feststellung einer Kindeswohlgefährdung eingeleitet wurden, zeigten sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls nur minimale Veränderungen. Bei rund 5% der ambulanten Hilfen und 17% der Unterbringungen in Vollzeitpflege (+1 Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr) sowie 9% der Heimunterbringungen (ebenfalls +1 Prozentpunkt) wurde als Grund für die Hilfegewährung eine Gefährdung des Kindeswohls angegeben.

Bei Kindern im Alter von unter 3 Jahren ist demgegenüber der Anteil familienersetzender Hilfen in stationären Einrichtungen oder Vollzeitpflegen aufgrund einer Kindeswohlgefährdung im Vergleich zum Vorjahr - bei gleichzeitig sinkenden Fallzahlen - deutlich angestiegen und lag zuletzt 2017 bei knapp 50% bzw. 67% (vgl. Abbildungen 1 und 2).

 

 

Tab. 1: Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung bei Säuglingen und Kleinkindern in 2017 (Deutschland insgesamt; abgeschlossenen und andauernde Hilfen zum 31.12.)

  Erziehungsberatung  Ambulante/teilstationäre Hilfen zur Erziehung  Familienersetzende Hilfen (Heimerziehung und Vollzeitpflege)  Familienersetzende Hilfen aufgrund einer Gefährdung des Kindeswohls (nur in 2017 begonnene Hilfen)
absolut 36.231 37.690 10.263 3.217
pro 10.000 der Altersgruppe 154 160 44 14
Quelle: Statistisches Bundesamt (2019): Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe für seelisch behinderte junge Menschen, Hilfe für junge Volljährige 2017; eigene Berechnungen.

Abb. 1: Entwicklung des Anteils begonnener stationärer Hilfen aufgrund einer Kindeswohlgefährdung bei unter 3-Jährigen (Deutschland; 2008-2017; begonnene Hilfen; in Prozent)

Quelle: Statistisches Bundesamt (verschiedene Jahrgänge): Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe: Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe für seelisch behinderte junge Menschen, Hilfe für junge Volljährige; Datenzusammenstellung und Berechnung des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund.

Abb. 2: Entwicklung des Anteils begonnener Vollzeitpflegen aufgrund einer Kindeswohlgefährdung bei unter 3-Jährigen (Deutschland; 2008-2017 begonnene Hilfen; in Prozent)

Quelle: Statistisches Bundesamt (verschiedene Jahrgänge): Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe: Erzieherische Hilfe, Eingliederungsilfe für seelisch behinderte junge Menschen, Hilfe für junge Volljährige; Datenzusammenstellung und Berechnung des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund.